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Aktuelles
"... und im Süden steigen die Leichenberge" (Hajo Freese) |
Die Legende vom heiligen Damm ist wieder lebendig.
Diesmal ist es ein terroristischer Schutzwall, der den gleichnamigen Ort an der Ostsee und ein Nobelhotel beschützt. Zu Lande ein zwei ein halb Meter hoher Stahlzaun mit Stacheldrahtkrone, die Schrauben attentatsicher verschweißt, außerdem ein Meter tief in die Erde reichend wegen der Untertunnelungsgefahr. Davor ein Schutzwall aus martialisch gekleideten vermummten Skinhelms, die im Staatsauftrag mit Gewalt „deeskalieren“. Wahrlich, sie stehen fest zusammen, um einen Platz zu schützen, „der nicht von dieser Welt ist“, Heiligendamm.
Zu Wasser ein Schutzwall aus bewaffneten Schnellbooten und größeren Kriegsschiffen und unter Wasser ein weiträumig die Seeseite schirmendes Stahlnetz bis auf den Grund der Ostsee reichend, an dem ständig Kampfschwimmer den bösen Feind abwehren. Zu Luft kreisen Hubschrauber und beobachten die terroristischen Aktivitäten der Sitzblockierer und Deutschländergriller. Selbst aus den Weiten des Alls bewacht ein Satellit die bedrängte Festung.
Was außerhalb des Schutzwalles passiert, ist wesentlich medienwirksamer als das, was in der Festung geschieht. Kein Wunder, denn in der Festung geschieht nichts.
Herr Schäuble muss gestern seine wahre Freude gehabt haben, als er in einem vielfach wiederholten Videospektakel zur Überzeugung kommen durfte, dass seine martialischen Helden sogar ihr Leben einsetzen für... dieses Nichts.
Da nähern sich dreiste Greenpeaceterroristen – deutlich erkennbar an ihrer Flagge - von der Seeseite in kleinen Booten mit einer Botschaft für Frau Merkel: „Bleib stark, Angela“ wollen die Greenpeacer ihr zurufen, aber Schäubles Mannen wehren diesen Angriff tapfer ab. Brutal überfahren sie dabei eines der kleinen Greenpeaceboote mit Mann und Maus.
Sicher, der gezielte Mordversuch der Staatsdiener an vier Greenpeaceaktivisten wird in dem kommenden Bulletin bestimmt anders genannt. „Holydam goes Hollywood.”
An einigen Stellen des langen Zaunes ist staatliche Prügel angesagt und man setzt Wasserwerfer ein, weil man in der großen Menge von Demonstranten einen Straftäter entdeckt haben will! Hitzige „Gefechte“ und kalte Duschen bei Kühlungsborn! Schon ruft mancher Politiker nach Gummigeschossen für die tapferen Männer. Wieso das? Im Jahre 1968 in Berlin war man doch auch nicht so zimperlich, als man Benno Ohnesorg mit einem Blattschuss erlegte.
Embedded journalists berichten atemlos Ereignisloses aus der Festung.
Frau Merkel kommt mit George Bush überein, dass man ein Übereinkommen anstreben will... vielleicht, in einigen Jahren.
Bush und Putin necken sich bei dem sogenannten Raketenspiel und dann geht man gemeinsam zu Tisch, Putin geht aufrecht mit festem Tritt und Bush geht – wie immer – etwas ataktisch.
Nur über Hunger spricht man nicht, den hat man.... gestern, heute.
Aber im „Süden“ steigen die Leichenberge der Verhungerten. Die Großen 8 aber sprechen darüber nicht.
Jean Ziegler, UN-Sonderbeauftragter spricht darüber, aber er ist sehr allein.
„Jährlich sterben 6.000.000 ( 6 Mio. ) Kinder den Hungertod weltweit, besonders im Süden dieser Welt. Gestern starben 17.000 Kinder und heute werden es auch wieder 17.000 sein. Sie sterben vor Hunger und an permanenter Unterernährung. „Dies ist keine Fatalität“, sagt Jean Ziegler, „die Kinder werden ermordet!“
Der Hunger wird fabriziert in den reichsten acht Ländern dieser Erde.

Die Großkonzerne insbesondere der USA und Europas fabrizieren diesen Hunger und die Staatsregierungen helfen dabei durch einen irrsinnigen Agrarprotektionismus.
Mafiose Saatgut- und Genfoodmonople ebenso wie die globalisierten Nahrungsmittelkonzerne verhindern oder zerstören die Agrarstrukturen in den Drittländern und ihre Steigbügelhalter gipfeln in Heiligendamm. God bless the profit.
In Rostock kommt der Hunger rockig daher, doch sind die Lieder verklungen, ist – so fürchte ich – auch die Botschaft verhallt. Die Gipfeltafler waren allenfalls für eine Minute not amused und bauen ungehindert weiter an dem heiligen Damm für mehr Profit.
Kein Lichtblick, kein Hoffnungsimpuls, wirkliche Hilfe schon gar! Außer hohlem Polit-Blafasel ist nichts aus der Festung zu hören. Man zieht in Betracht!
Embedded journalists blafaseln über das Blafasel.
Wer jetzt noch glaubt, dieser Gipfel nütze der Menschheit, hat nichts verstanden. Wer jetzt noch glaubt, dass Widerstand diese Politiker und ihre Politik verändert, hat auch nichts verstanden. Wer mehr darüber wissen möchte, sollte den Aktionstag Landwirtschaft unter "Aktionsnetzwerk G8 und Globale Landwirtschaft" nachlesen
Alternativen sind notwendig, eigene Initiative ist notwendig, eigenes Handeln ist notwendig, um die Not zu wenden, den weltweiten Hunger zu besiegen. Der Gipfel G8 hatte und hat hier nichts zu bieten. Ein Trauerspiel.
Eine Alternative gegen den Hunger in der Welt möchte ich hier aufzeigen, einen kleinen fast paradiesischen Einblick in alternative Möglichkeiten geben nach soviel Tristesse:
Die Permakultur, begrifflich hergeleitet von „permanent agriculture“ zielt nicht nur auf eine neue bäuerliche Art der Nahrungserzeugung, sondern beinhaltet einen grundlegenden Wandel der philosophischen Betrachtung der Lebensweise und der Existenzsicherung. Der Begründer dieser Permakultur, Bill Mollison erhielt 1981 den alternativen Nobelpreis für dieses Konzept.
Einer der bekanntesten Vertreter dieses harmonisierten Miteinanders von Mensch, Pflanze und Tier ist zur Zeit der Österreicher Sepp Holzer, der im Lungau auf seinem Krameterhof beispielhaft diese Ideen umsetzt und dabei verblüffende Erfolge erzielt.
Hajo Freese
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