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Lippschmutz meint

Herr Lippschmutz
Herr Lippschmutz
Herr Siegesmund Lippschmutz
hat die Schnauze gründlich voll.
 
Er kann die vielen selbstherrlichen "Vorbeter", die Angst- und Hassprediger, die ihm andauernd sagen wollen, wo's lang geht, nicht mehr ertragen.
 
Er wehrt sich auf seine Weise gegen die zunehmende Bevormundung durch Staat, Kirche, Wirtschaftsbosse und durch die Meinungsmacher in den Medien.
 
Mal grob, mal hinterlistig, zynisch oder auch sarkastisch, sammelt er den Schreib- und Sprachmüll der führenden Elite des großen Mittelmaßes und der Korruption auf und reicht ihn zurück.
 
Er ist fest entschlossen, diesen Müll nicht mehr weg zu machen oder zu schlucken.

Blick zurück im Zorn

Lippschmutz meint >>

Im Jahre des Herrn 2001 – im Spätherbst nach „september eleven“ – fiel mir folgende Rezension in die Hände:
 
Zwei italienische Vulkane sind ausgebrochen. Der eine speit Feuer und Schwefel, der andere Gift und Galle. Der eine ist der Ätna und der andere ist Oriana Fallaci. Eines haben sie gemeinsam, sie sind faszinierend gewalttätig und gefährlich. Vom Ätna erwartet man nichts anderes, bei O. Fallaci ist man nur noch entsetzt. Zehn Jahre war es ruhig um die Grand Dame scandaleuse des Journalismus, doch nun entleert die Grande Dame ihren Grande Darm.
 
Und so, als würde die dafür vorgesehene Körperöffnung für diese Menge Unflat nicht groß genug sein, erbricht sie gleichzeitig ihren Seelenmüll in ein Hundert-Seiten-Pamphlet (200 Seiten). Die Lavaströme des Ätna können zumindest teilweise kanalisiert werden und irgendwann wird die Lava erstarren. Diese Hoffnung besteht bei der ‚Lava Oriana’ nicht, sie verbreitet sich mit Lichtgeschwindigkeit. Im Angesicht der zusammenstürzenden Türme des WTC stürzt offensichtlich Orianas Fassade ein und ein abgrundtiefer Hass bricht sich Bahn, den "... diese ehemaligen Kommunisten, die 40 Jahre lang meine Seele mit blauen Flecken bedeckt haben“...angeblich verursacht haben.
 
Sie, die „...Mullahs von gestern, die roten Priester“... haben sie „...mit ihrer Arroganz, ihrer Selbstherrlichkeit, ihrem intellektuellen Terrorismus“... schwer beschädigt.
 
Daraus leitet Fallaci, die erklärte Atheistin das Recht ab, nunmehr zum heiligen Kreuzzug gegen den Islam aufzurufen, da er die westliche – weit überlegene – Kultur, den christlichen Glauben und die Menschen vernichten will. „Es herrscht Krieg“ und wir dekadenten Europäer merken es nicht einmal.
 
Am Anfang dieser exkrementalen Lava Oriana steht eine fast weinerliche Bush-Hymne auf das Amerika von heute und seine Gründungsväter, die überaus gebildet und völlig ohne Blutvergießen das heutige demokratische Amerika entstehen ließen.
 
Dann beklagt sie den Mangel an nationaler Identität der Europäer und am Ende das sich schon vollziehende Schicksal Italiens. Dazwischen beruft sie sich als bekennende Atheistin auf das Christentum, besudelt den Papst und beschimpft Berlusconi als Feigling, weil er tausende von „illegalen Immigranten“ nicht habe „in Reih und Glied stellen, abtransportieren und abschieben“ lassen. Die ‚Oriana rabbiata’ hätte selbst „ein von Somaliern zu diesem Zweck auf einem zentralen Platz in Florenz errichtetes Zelt glatt abgefackelt“, schreibt sie. Zwischen Spott und Hohn für ihre Kritiker, die ihr natürlich Rassismus und Fremdenhass vorwerfen, würgt sie wieder und wieder und hervor quillt ein „Glaubenskrieg, ein Religionskrieg Christentum contra Islam“.
 
Die Invasion habe schon begonnen, „ob die Invasoren mit Kanonen oder mit Schlauchbooten kommen, das ist ganz egal.“„Und anstatt der Kirchtürme bekommen wir jetzt Minarette mit Muezzinen, anstatt der Miniröcke tragen wir nun Tschador oder Burka, anstelle des kleinen Cognac trinken wir bald Kamelmilch."
 
Diese Geistesfäkalie ein Manifest zur Rettung des Okzidents zu nennen oder gar die „Grundlage eines neuen Liberalismus“, ist irrsinnig absurd. Ihre Feinde sind eben nicht nur Osama Bin Laden oder Jassir Arafat, sondern alle „Söhne Allahs“, islamische Metzger ebenso wie marokkanische, albanische und somalische Immigranten, die an italienische Kirchen urinieren“... und sich „... wie Ratten vermehren“. „Die SS und die Schwarzhemden der Bin Ladens sind unter uns.“ Die militärische Konfrontation ist unumgänglich, da das Schicksal des Okzident auf dem Spiel steht. Gegen die EU ist sie nebenbei auch noch, denn die stehlen Italien „den Parmesan und den Gorgonzola“.
 
Die extreme Rechte in Europa reibt sich die Hände und die wirklichen Terroristen auch. Seit August quillt die widerliche Lava Oriana auch durch Deutschlands Gassen, die Schäden sind noch nicht auszumachen. Für Oriana Fallaci sind diese Söhne Allahs „Kamelficker“, die ihre Zeit damit verbringen, „mit dem Hintern in der Luft fünfmal am Tag zu beten.“ Oriana Fallaci betet ihr eigenes Glaubensbekenntnis zur europäischen „intelligentia“: „Diese erbärmlichen, nutzlosen Zikaden, die mich nach diesem Buch mehr hassen werden denn je, die mich nach einem großen Teller Spaghetti oder einem saftigen Hamburger heftiger verfluchen werden denn je, werden mir den Tod wünschen und die Ermordung durch einen der Söhne Allahs. Diese fiktiven Revolutionäre, diese falschen Christen sind es, die das Ende der Zivilisation vorbereiten. Diese Parasiten, die sich als Ideologen verkleidet haben, als Journalisten, Schriftsteller, Theologen, Schauspieler, Kommentatoren, Clowns, Edelhuren oder zirpende Grillen, Ex-Stiefellecker von Khomeini und Pol Pot, sagen nur, was man von ihnen erwartet. Was ihnen hilft, in den pseudointellektuellen Jetset aufgenommen zu werden oder sich weiter darin zu tummeln, wichtigste Privilegien und Vorteile für sich zu nutzen und Geld zu verdienen.“
 
In dieser finsteren Gruft ihrer Seele oder besser ihrer Eingeweide steckt sie auf dem Altar ihrer Verachtung und ihres Hasses Kerzen der Verehrung für die kulturellen Errungenschaften Europas an, ausgerechnet Fallaci, die Atheistin. „Unsere Kathedralen sind schön, meiner Meinung nach schöner als die Moscheen und die Synagogen“. Verräterisch solche Äußerungen, die an Hybris, an Antiislamismus und Antisemitismus nicht mehr zu überbieten sind und in der Form und dem Inhalt an die deutsche Massenliteratur der 30er Jahre erinnert. Ich habe bewusst nur einige der Schmähungen zitiert, ich konnte aber auch um der Klärung willen nicht ganz darauf verzichten.
 
Oriana Fallaci ‚Die Wut und der Stolz’ - ich wünsche fröhliches Kotzen.
 
 
Ich hoffte damals, die Lava Oriana würde versiegen und erstarren, doch da habe ich mich getäuscht.
 
Zufällig fand ich jetzt die Rezension eines eher unbedeutenden M. Kreisel, der sich offensichtlich darüber freut, dass diese Kamelscheiße beim Listverlag doch noch gedruckt wurde, nachdem Kiepenheuer und auch Zsolnay unter Brechreiz abwinkten.
 
Auch ein gewisser S. Gentz trällert plötzlich das Hohelied der Nächstenliebe und durch Alan Posener gerät diese Lobeshymne zu einem vielstimmigen Chor. Immerhin ist A. Posener Chefkommentator der WELT am SONNTAG und andere Werke von ihm werden immerhin von Herrn Rüdiger Safranski im ZDF empfohlen, im philosophischen Quartett – auch so einer „Vordenkerelite“ - , die sich hübsch artig die Bälle zu spielen.
 
Ich verfolgte nun die Links im „Zwischennetz“ und rieb mir verwundert die Augen: in Schlüchtern konnte erfolgreich der Bau einer Moschee abgewendet werden. Das militante Hurragebrüll hierzu ist unüberhörbar. In Köln diskutiert man heftig über eine geplante Moschee, wobei sich Erzbischoff Meisner – der das Pamphlet wohl heimlich unter der Bettdecke gelesen haben muss – sehr darum sorgt, dass die Türme der Moschee nicht höher werden als die des Kölner Doms. Da werden sogar Psychologen hellhörig.
 
Dieser Alan Posener schreibt am 17.08.2002 unter dem Titel „Kreuzzug für die Freiheit“: Oriana Fallaci ist wütend auf Europa, und sie ist stolz auf seine Kultur. Und das ist auch verdammt gut so.
 
Viel später liest man von ihm dann an anderer Stelle: Je mehr ich darüber nachdenke, desto klarer wird mir, dass die vulgärlinke Haltung zum Terrorismus im Kern von arroganten, eurozentrischen, wenn nicht gar rassistischen Einstellungen geprägt ist.
 
Immerhin fand ich auch andere Töne über die Achse des Blöden.
 
Leider ist diese Achse nicht nur blöd, sondern auch laut, sehr laut und wüst und hetzerisch und voller Hass und voller Angst. Und besonders Letzteres möchten sie uns gern vermitteln.

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