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Tendenzjournaille

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Der Mindestlohn und die Tendenzjournaille (heute: BILD)

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29. September, 2007
 
Jüngst hatten wir am Beispiel der F.A.Z hier aufgezeigt, wie deutsche - vermeintlich “unabhängige” - Massenmedien gezieltes “Agenda Setting” betreiben und sich - wie das gegenwärtige politische Regime - als verlängerte Pressestelle kurzsichtiger und volkswirtschaftlich ruinöser Interessen der deutschen Unternehmens-Lobby missbrauchen lassen. Joachim Jahnke hat in vier seiner jüngsten “Gedanken zur Zeit” auf die tendenziöse Berichterstattung von BILD hin gewiesen.
 
von Thomas Meese
 
Wenn auch auf (noch) etwas stumpferem Niveau als das Frankfurter “Intelligenz”- Blatt F.A.Z. (immerhin die überregionale deutsche Tageszeitung mit der zweit höchsten Auflage) verbreitet die auflagenstärkste deutsche “Zeitung” BILD in der Frage des Mindestlohns dieselbe volkswirtschaftlich schlecht unterrichtete Propaganda.
 
Wir stellen Jahnkes’ diese gezielte Desinformation richtig stellende Beiträge in chronologischer Folge vor.
 
I.) Hatte BILD den zutreffenden realen Lohnverlust falsch erklärt, indem sie das von Unternehmerseite betriebene Lohndumping angeblich überhöhter deutscher Staatsquote zuschrieb. Unter der Überschrift “BILD und der Nettolohn-Skandal - Wie man Deutschland viermal für dumm verkauft” hinweist Jahnke darauf, dass Deutschland im Gegenteil eher ein Niedrigsteuerland ist und belegt an Hand der Daten des Statistischen Bundesamtes, dass es die “explodierenden Einkommen der Kapitaleigner” sind, denen der eigentliche Lohnskandal in Deutschland geschuldet ist.
 
II.) Hatte BILD den Vorvorgänger von Jürgen Thumann im Präsidium des BDI, Hans-Olaf Henkel, Raum für das übliche “Spin Doctoring” gelassen, den dieser dann natürlich dankbar nutzte und die angeblich überhöhten deutschen Brutto-Löhne geißelte. Jahnke titelt “Immer mehr BILD-Lügen zum Thema Netto-Lohn” und stellt die volkswirtschaftliche Wahrheit vom Kopf auf die Füße indem er fragt: “Wie könnte denn Deutschland so gewaltige Exportüberschüsse aufbauen und immer noch Exportweltmeister sein, wenn seine Arbeitskosten Weltspitze wären?”
 
III.) Nutze derselbe Hans-Olaf Henkel seinen BILD-Kommentar dazu, seine neoliberalen Rezepte für Vollbeschäftigung zu verbreiten. So wenig neu wie originell heißen diese: Steuern und Abgaben senken und so (sic!) die Binnenkonjunktur stärken, handzahme Gewerkschaften und - immerhin - die Arbeitgeber müssten weiter (?) in Arbeitsplätze investieren. Unter “BILD und die Vollbeschäftigung” verweist Jahnke darauf, dass es gerade der seit Jahren betriebene Lohn- und Rentenverzicht sind, die die Binnenkonjunktur ausbluten lassen und somit einen nachhaltigen Beschäftigungsanstieg verunmöglichen. Unter Verweis auf die einbrechenden Einzelhandelsumsätze nennt er die Forderung an die Gewerkschaften, hierzu weiter hin die Hand zu reichen, “geradezu bösartig”.
 
IV.) Zu guter Letzt dann noch - und in ihrer verqueren Logik durchaus folgerichtig - BILD’s Warnung vor einem bundesweiten Mindestlohn als “Gift für den Arbeitsmarkt”. Jahnke - wieder einmal - vom Kopf auf die Füße stellend titelt “Wie fast immer: Das Gegenteil von BILD ist richtig” und vordemonstriert, dass es tatsächlich die Mehrheit der EU-Länder ist, die bereits einen Mindestlohn hat, undass insbesondere der Anteil der Langzeitarbeitslosen in diesen Ländern erheblich geringer ausfällt, als in Deutschland, während die Profitrate deutscher Unternehmen (natürlich) im Spitzenfeld der EU rangiert.
 
Das große Dilemma, in dem die deutsche Gegenöffentlichkeit nun steckt ist: das Ausmaß an Desinformation scheint proportional mit der Auflagenstärke der Breitenmedien an zu schwellen. BILD verzeichnet zwar in den letzten Jahren einen Auflagenrückgang und lag in 2006 bei rd. 3,44 Millionen verkauften Exemplaren pro Tag (vgl.: klick!), erreicht damit aber noch immer rd. 11,5 Millionen LeserInnen/Tag.
 
Dem gegenüber zählt eine seriöse und stets aktuell berichtende website wie das “Infoportal Deutschland & Globalisierung” an guten Tagen rd. 2.000 visits und 4.000 hits (vgl.: klick!). Zum Aufbau einer breiteren Gegenöffentlichkeit in Fragen der National- und Globalökonomie müssen weitere Kreise der Informationsverbreitung gezogen werden. Völlig zu Recht folgert Jahnke:
 
Nur so kann den neoliberalen Schein- und Nebelwerfern der Verbände und der selbsternannten Meinungsmacher, wie der Bertelsmann-Stiftung, wenigstens etwas entgegengewirkt werden.
 
Wir hier bei forced-labour.de tun das Unsere und verweisen regelmäßig auf die Analysen des Infoportals. An unsere LeserInnen können wir nur appellieren, ebenfalls das Ihre dazu bei zu tragen, damit diese Gegenöffentlichkeit wächst und der neoliberale Spuk in diesem Land eine breitere Entzauberung erfährt als gegenwärtig.
 
copyright 2007-09-29 | redaktion@forced-labour.de
 
 
 
 

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