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Die Piqueteros in Argentinien (Andrea Wurzenberger) |
EINLEITUNG
Als Präsident de la Rúa am 19. Dezember 2001 den Ausnahmezustand des Landes ausruft, kommt es zu einer heftigen Reaktion der argentinischen Bevölkerung. Tausende Staatsbürger gehen in Buenos Aires auf die Straßen. Durch lautstarke Demonstrationen, das Schlagen auf Kochtöpfe1, massive Auseinandersetzungen mit den Streitkräften und das Vorschreiten gegen Regierungsgebäude bewirken sie schließlich den Sturz der Regierung.
Argentinien ist das Land in Lateinamerika, welches durch eine ausgedehnte, zum Proletariat gehörende und in die Gesellschaft integrierte Mittelschicht, stabile Einkommensverhältnisse, einen soliden Lebensstandard und eine überwiegend homogene, von Europäern abstammende weiße Bevölkerung charakterisiert ist. Während Arbeitslosigkeit und Armut in Lateinamerika keine Besonderheit darstellen, gestaltete sich das Beschäftigungsniveau in Argentinien seit den 40-er Jahren des 20-ten Jahrhunderts relativ stabil. Die Wirtschaftskrise erreicht ihren dramatischen Höhepunkt Ende Dezember des Jahres 2001.
Die Zuspitzung der Situation im Großraum Buenos Aires im Monat Dezember, ausgelöst u. a. durch das, von der Regierung angeordnete, Einfrieren der Bankguthaben2 der argentinischen Staatsbürger, ist gekennzeichnet durch Straßenblockaden, Firmenbesetzungen, Plünderungen von Supermärkten sowie spontane und organisierte Versammlungen der Bevölkerung, die auf den Straßen bzw. auf öffentlichen Plätzen stattfinden.
Ihren Ursprung findet die Wirtschaftskrise jedoch bereits wesentlich früher in der Transformation des ökonomischen und politischen Systems des Landes und den damit einhergehenden sozio-kulturellen Veränderungen.
Die Einführung des neoliberalistischen Wirtschaftsmodells zu Beginn der letzten Militärdiktatur des Landes (1976-83), sowie deren verstärkte Umsetzung unter Präsident Menem (1989-99), welche unter anderem die Privatisierung der meisten staatlichen ...
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