Hajo DF

Kleine Kinder und kleine Hunde

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oder
Und so lautet ein Beschluß,

dass Mensch und Hund was lernen muss.

Erziehung war bei uns ein besonderes Thema.

Alles fing wohl mit einem Aufsatz in „Wild und Hund“ an. Jedenfalls hatte unser Vater die Theorie entwickelt, dass kleine Kinder und kleine Hunde auf die gleiche Weise zu erziehen seien.

Von entscheidender Bedeutung sind da zunächst die richtigen Kommandos und in der Tat, schon hier lassen sich bei näherem Hinsehen verblüffende Ähnlich-keiten feststellen:

„Pfui“ oder besser noch „Pfui, pfui“ heißt es, wenn ein Hund etwas nicht darf oder schon getan hat, was er nicht durfte.

„ Heiß“ oder „Finger weg“ sagt man in der gleichen Situation zu kleinen Kindern, wenn sie mit ihren „unnöseligen“ Fingern überall dran wollen.

Kind und Hund sollen anzeigen, wenn sie „Pipi“ müssen. Beide lernen schon sehr früh, dass sie sich melden müssen, wenn sie müssen. „ Mutti,ich muss soo nötig“ und Hunde müssen dasselbe dadurch ankündigen, dass sie laut miepsend zwischen Mutti und Küchentür hin und her laufen. Das muss natürlich geübt werden, bevor das klappt und deswegen wurden wir erst dauernd abgehalten und später angehalten: „ Geh auf Klo“. Konsul – so hieß unser Setter - wurde dauernd „Gassi“ geschickt.

Dann musste er „raus“, auch wenn er gar nicht musste.

„ Hol das Stöckchen“ ist auch so ein Hundekommando und für uns hieß das „hol die Harke“ und wenn wir das nicht gleich taten, dann zeigte unser Vater uns, was `ne Harke ist und wozu sie ist.

„ Na, lauf!“ Das war die Entlassung in die Freiheit, das Kommando für uns lautete „ haut ab!“ Inhaltlich war das völlig identisch und dies Kommando wurde immer sofort befolgt. Wie man hier schon sieht, sind die Ähnlichkeiten bei den Erziehungsmaßnahmen formal und inhaltlich wirklich auffallend und deshalb verzichte ich darauf, die Richtigkeit der Theorie noch ausführlicher zu belegen.

Der Erfolg der erzieherischen Übungen muss natürlich sichergestellt werden. Daraus ergeben sich einige Konsequenzen! Dem richtigen Kommando muß deshalb entsprechender Nachdruck - sprich Strenge - verliehen werden, damit das gehorsame Befolgen sich auch einstellt.

Lob und Tadel - sprich Strafe - sind wichtige Hilfsmittel, um das Kommando doch noch durchzusetzen, wenn es beim ersten Mal nicht befolgt wurde. Schon der Satz: „Muß man euch denn alles zweimal sagen?“ kündigte dann eine härtere Gangart an.

Ganz generell entwickelte unser Vater so etwas wie eine Erziehungsformel:

Kommando x Strenge (pK*) = gehorsames Befolgen

Das Kommando soll möglichst kurz und eindeutig sein, der Faktor Strenge ist die sogenannte Pädagogische Konstante*. Der absolute Betrag der Konstanten kann unterschiedlich groß sein, zum Beispiel durch ein stark gerolltes R wurde der Faktor größer.

 „Hier her“ war für Konsul nicht immer verbindlich, aber bei einem „hierr herrr“ gab es kein Vertun mehr.

Die Wirkung dieser Formel wurde auch durch Lob erhöht. Bei unseren Hunden war das „Leckerchen“ immer ein probates Mittel und sie bekamen es ziemlich häufig - wir Kinder nicht so oft.

Vati wendete diese Formel mit großem Erfolg an. Doch auch die beste Formel bietet nicht immer hundertprozentige Gewähr. Nennen wir’s ruhig beim Namen:

Wir gehorchten einfach manchmal nicht - Konsul übrigens auch nicht!

Dann gab es schon mal `ne Backpfeife beziehungsweise bekam „Hundemann“ einen Klaps auf den Po. Hunde soll man nämlich nicht ins Gesicht hauen, schon gar nicht mit der Hand, dann werden sie handscheu!

Tante Marga wußte das, deshalb gab es bei ihr immer einen Schlag ins Genick, an den Hals oder einen hinter die Löffel. Tante Janna griff nach selbigen, meistens in der Ausführung Kochlöffel und versohlte uns damit den Hintern, bis der Löffel brach. Dann musste sie sowieso aufhören. Unser Vater „langte ordentlich hin“!

Konsul - wie auch die späteren Hunde - wurde nur tüchtig „ausgepfuit“, wenn er was ausgefressen hatte. Im Normalfall, fand ich, war die pädagogische Konstante bei unseren Hunde immer etwas kleiner. Dafür war der Strengefaktor viel größer, wenn sie zum Pipimachen nicht „Gassi“ gingen, sondern auf dem Teppich blieben. Oh ha, dann wurden sie am Genick zu der „Pfütze“ geschleift und feste ausgepfuit. Mit der Nase wurden sie in ihre Lache gestubst, bis ihnen ganz „miez“ wurde. Das ist für Hunde ein ganz schlimmes Gefühl, weil das mit Katzenjammer zu tun hat.

Wir dagegen wurden mitfühlend getröstet, wenn wir nächtlicherweise das Klo nicht gefunden hatten. So wie Eckhard mal, der sich in der Badewanne die Füße wusch, anstatt „auf Klo“ zu gehen, weil er so fest geschlafen hatte, dass er gar nicht wusste, was er tat.

Da ging „Es“ eben manchmal noch ins Bett und das morgentliche, etwas beschämte: „Ich hab nass gemacht“ wurde liebevoll mit frischer Bettwäsche aus der Welt geräumt.



aus: Familiengeschichten
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