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Manifest gegen die Arbeit (Krisis - 1999) |
(Zusammenfassung von forced labour)
Redaktion
Der recht lange Text ist in 18 Punkte unterteilt. Wir geben hier einen kurzen Abriss und wollen unsere LeserInnen damit animieren, sich die Zeit zu nehmen, das Original einmal durch zu lesen.
1. Die Herrschaft der Toten Arbeit
Nicht nur auf Seiten der Produzenten heißt die Parole “Arbeit, Arbeit, Arbeit!”, sondern alle erdenklichen anderen Akteure, vom Papst bis zu den grünen Ökokapitalisten, posaunen sie heraus. Das Verhängnisvollste: Auch die Gewerkschaften haben noch immer nicht verstanden, dass
Der Verkauf der Ware Arbeitskraft im 21. Jahrhundert genauso aussichtsreich sein wie im 20. Jahrhundert der Verkauf von Postkutschen (wird). Wer aber in dieser Gesellschaft seine Arbeitskraft nicht verkaufen kann, gilt als “überflüssig” und wird auf der sozialen Müllhalde entsorgt.
Mit dem jedermann einsehbaren und statistisch belegbaren Ende der Arbeitsgesellschaft einher geht die massive Manipulation öffentlichen Bewusstsein, die ihren Gipfel in brandstifterischen neo-paulinischen Parolen, wie der, dass wer nicht arbeitet auch nicht essen soll, und in wirklichen Opfern, wie dem “Tod von Speyer” findet. Dasselbe Gesetz des Menschenopfers, so die Gruppe KRISIS, gelte im Weltmaßstab. Drei Viertel der Weltbevölkerung seien bereits mehr oder weniger zu sozialem Abfall erklärt worden.
2. Die neoliberale Apartheidsgesellschaft
Das Festhalten an der Arbeitsideologie und das Einholen der sozialen Netze müsste zwangsläufig zu sozialer Apartheid führen. In den Trutzburgen des Wohlstandes die “feixenden Globalisierungsgewinnler” und außerhalb der gated communities der “Humanmüll”, der zwischen Armenküchen, der Mafia und dem Gefängnis zirkuliert.
3. Die neo-sozialstaatliche Apartheid
Weil ein Mensch ohne Arbeit kein Mensch ist, wir jedoch “Vollbeschäftigung” nur aus den Erzählungen unserer Großväter kennen, soll “der Staat noch einmal richten, wozu der Markt nicht mehr in der Lage ist”. Staatlich organisierte Zwangsarbeit sind die Folgen.
Früher haben Menschen gearbeitet, um Geld zu verdienen. Heute scheut der Staat keine Kosten, damit Hunderttausende in absonderlichen “Trainingswerkstätten” oder “Beschäftigungsfirmen” die verschwundene Arbeit simulieren und sich fit für reguläre “Arbeitsplätze” machen, die sie nie erhalten werden. Immer neue und immer dümmere “Maßnahmen” werden erfunden, nur um den Schein zu wahren, dass die leerlaufende gesellschaftliche Tretmühle bis in alle Ewigkeit in Gang bleiben kann. Je sinnloser der Arbeitszwang wird, desto brutaler soll den Menschen ins Hirn gehämmert werden, dass es kein Brötchen umsonst gibt.
Zwangsarbeit adelt den Menschen jedoch nicht, sondern drückt ihn chancenlos nur noch tiefer in den Dreck.
4. Zuspitzung und Dementi der Arbeitsreligion
Wie alle sozialen Akteure, seien in den vergangenen 150 Jahren sämtliche Gesellschaftstheorien und politischen Strömungen der Arbeitsideologie verfallen gewesen. In Gründerzeiten und in den Phasen nach schöpferischen Zerstörungen mochte noch angehen, was heuer vollständig und offensichtlich absurd geworden ist. Man darf aber nicht rühren an den alten Glaubenssätzen (vielleicht deshalb, weil es keine neuen gibt ?).
5. Arbeit ist ein gesellschaftliches Zwangsprinzip
Formal rationale, rechenhafte Lohnarbeit ist keine anthropologische Invariante. Erst der okzidentale Kapitalismus hat sie hervor gebracht und mit ihr die betriebswirtschaftliche Zweckrationalität und den Zwang, sich ihr zu unterwerfen.
6. Arbeit und Kapital sind die beiden Seiten derselben Medaille
Der politischen Linken galt nicht die Arbeit, sondern die Ausbeutung derselben durch das Kapital als Skandal. Klassenkampf stellt und stellt hingegen das warenproduzierende System selbst nicht in Frage.
Was und wofür und mit welchen Folgen produziert wird, ist dem Verkäufer der Ware Arbeitskraft letzten Endes genauso herzlich egal wie dem Käufer. Die Arbeiter der Atomkraftwerke und der Chemiefabriken protestieren am lautesten, wenn ihre tickenden Zeitbomben entschärft werden sollen. Und die “Beschäftigten” von Volkswagen, Ford oder Toyota sind die fanatischsten Anhänger des automobilen Selbstmordprogramms.
Der durch das System autopoietisch generierte “stumme Zwang” der Konkurrenz ergreift den Manager ebenso wie die Reinemachefrau, die später seinen Dreck weg räumt.
7. Arbeit ist patriarchale Herrschaft
Die Lebenswelt, in der sich Privat- und Familienleben abspielen, kann stets nur die Spielräume geltend machen, die das System ihr zu gesteht.
8. Arbeit ist die Tätigkeit der Unmündigen
Das griechisch-lateinische Herkommen des Arbeitsbegriffs macht dies überdeutlich. Wo immer von “Arbeit” die Rede ist, ist auch von Sklaven, Knechten, Leiden und Schinderei die Rede.
9. Die blutige Durchsetzungsgeschichte der Arbeit
Nicht freiwillig seien die Menschen in die Produktion für fremde Mächte/Märkte gezogen.
Nicht für sich selbst mussten sie “Geld verdienen”, sondern für den militarisierten frühmodernen Feuerwaffen-Staat, seine Logistik und seine Bürokratie.
Steuern und Abgaben wurden auferlegt. Alte Rechte des gemeinschaftlichen Habens abgeschafft. Die Erzieher wurden zu den Arbeitspolizisten in den Arbeitshäusern. Das puritanische Arbeitsethos ausradierte die andere okzidentale Konnotation von Sklaverei und Schinderei. So konnten die ehrenwerten Kaufleute formal “friedlich” werden, wie die Arbeiter formal “frei”.
Auch die bürgerlichen Revolutionen des 18. und 19. Jh. stellten das warenproduzierende System nicht in Frage. Sie umverteilten lediglich Interessen- und Machtpositionen.
Die Durchsetzung der Arbeitsgesellschaft und ein bald offener, bald latenter Bürgerkrieg waren über Jahrhunderte hinweg ein und dasselbe.
10. Die Arbeiterbewegung war eine Bewegung für die Arbeit
Die Arbeiterbewegung kämpfte für die gerechte Teilhabe am Prozess der gesellschaftlichen Reproduktion und wurde somit selbst zu einem Schrittmacher der Arbeitsgesellschaft. Was aus ihren Trümmern übrig geblieben ist, kennt keine emanzipatorische Vision.
Es gibt immer nur die Wahl zwischen Omo und Persil, zwischen Pest und Cholera, zwischen Frechheit und Dummheit, zwischen Kohl und Schröder.
Spätestens seit den Nazis seien alle Parteien Arbeiterparteien und gleichzeitig Parteien des Kapitals (wohl schon seit dem 04. August 1914, als die deutsche Sozialdemokratie den Kriegskrediten für den 1. Weltkrieg zustimmte).
11. Die Krise der Arbeit
Die Krise der Arbeit verschärft sich mit jeder ihrer zyklisch auftretenden Krisen (die einhergehen mit industriell-technologischen “Revolutionen”). Die Auswirkungen sind sozial, politisch und ökologisch zerstörerisch (”der unerklärte 3. Weltkrieg tobt”). Erstmals übersteige das Tempo der Prozess-Innovation das Tempo der Produkt-Innovation.
Erstmals wird mehr Arbeit wegrationalisiert als durch Ausdehnung der Märkte reabsorbiert werden kann. In logischer Fortsetzung der Rationalisierung ersetzt elektronische Robotik menschliche Energie oder die neuen
Kommunikationstechnologien machen Arbeit überflüssig. Ganze Sektoren und Ebenen der Konstruktion, der Produktion, des Marketings, der Lagerhaltung, des Vertriebs und selbst des Managements brechen weg. Erstmals setzt der Arbeitsgötze sich unfreiwillig selber auf dauerhafte Hungerration. Damit führt er seinen eigenen Tod herbei.
Die von der zunehmend exklusiven kapitalistischen Veranstaltung Ausgeschlossenen erleiden Hunger und Obdachlosigkeit.
12. Das Ende der Politik
Die Politik stellt sich selbst einen Persilschein aus und erklärt sich angesichts des “Diktats der Globalisierung” selbst für machtlos, wenn auch noch nicht für überflüssig. Steuer- und Sozialdumping sind ein Meister (nicht allein) aus Deutschland.
Wo die Kapitalverwertung sich auf immer weniger Weltmarktinseln konzentriert, kommt es auf eine flächendeckende Versorgung der Bevölkerung nicht mehr an. Soweit es nicht die unmittelbar wirtschaftsrelevanten Bereiche betrifft, ist es uninteressant, ob Züge fahren und Briefe ankommen.
13. Die kasinokapitalistische Simulation der Arbeitsgesellschaft
Immer weniger Akteure simulieren einen nischenhaften Kapitalismus der sich zunehmend von der Produktion und dem Verkauf von realen Gütern abkoppelt.
Das Verhältnis von Realökonomie und spekulativer Finanzmarktbewegung hat sich auf den Kopf gestellt. Die spekulative Kurssteigerung nimmt nicht mehr die realökonomische Expansion vorweg, sondern umgekehrt simuliert die Hausse fiktiver Wertschöpfung eine Realakkumulation, die es schon gar nicht mehr gibt.
Die Weltwirtschaftskrise wird zinswirtschaftlich hinausgeschoben, bis die Spekulationsblase einmal platzt.
14. Arbeit lässt sich nicht umdefinieren
…
15. Die Krise des Interessenkampfes
…
16. Die Aufhebung der Arbeit
…
17. Ein Programm der Abschaffung gegen die Liebhaber der Arbeit
…
18. Der Kampf gegen die Arbeit ist antipolitisch
“Mögen die herrschenden Mächte uns für verrückt erklären, weil wir den Bruch mit ihrem irrationalen Zwangssystem riskieren. Wir haben nichts zu verlieren als die Aussicht auf die Katastrophe, in die sie uns hinein steuern. Wir haben eine Welt jenseits der Arbeit zu gewinnen.
Proletarier aller Länder, macht Schluss!“
Lesen Sie das gesamte “Manifest gegen die Arbeit” der Gruppe KRISIS hier: [klick!]
copyright 2007-08-06 | redaktion@forced-labour.de
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