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Kolumne

Zu Gast an den Zäunen und Mauern der Welt (Hajo Freese)

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Gewiss, eine virtuelle Reise und doch faszinierend für mich, so mit Lichtgeschwindigkeit die Symbole einer unmenschlichen Baukunst zu besuchen., verfallene und gegenwärtige. Natürlich meine ich nicht irgendwelche Weide- oder Gartenzäune.

Ich rede von den Zäunen und Mauern, die als Barrieren dienen, um Menschen an der Flucht oder der Zuflucht zu hindern, die Mächtige und Reiche dieser Welt errichten, um ungestört und gut beschützt die Geschicke dieser Welt zu lenken. Ich rede von den Zäunen und Mauern, die wegen ihrer befohlenen Unantastbarkeit bewacht werden müssen, Zäune mit der bedrohlichen Aura des Todes.

 


Es ist noch gar nicht so lange her, dass Deutsche ein solches Bauwerk niederrissen: die „Mauer“, errichtet von mächtigen Politikern, die glaubten, so ihre Anschauungen durchsetzen und bewahren zu können. Aus anderem aktuellen Anlass titelt die TAZ: Wer Zäune und Mauern baut, hat schon verloren.

Das hätten auch die SED-Machthaber wissen können, wenn sie in den Geschichtsbüchern oder in der Bibel gelesen hätten (Josua 6, 20). Posaunen und ein vielstimmiger Schrei aus menschlichen Kehlen bringen Mauern zum Einsturz. Selbst die größte Mauer dieser Erde konnte eine mächtige Dynastie nicht vor dem Untergang bewahren.

 

Die schlimmen Zäune dieser Welt grenzen aus oder sperren ein, wollen unrechtmäßigen Besitzstand sichern und allgemeine Teilhabe an menschenwürdigem Leben verhindern. Die Freiheit der Anderen wird missachtet und die Bedürfnisse der Andersdenkenden werden außerhalb oder innerhalb dieser Zäune im Keime erstickt.

 

Zäune zwischen USA und Mexiko oder zwischen Marokko und den spanischen Exklaven sollen den Zustrom von Flüchtlingen verhindern, Menschen, die durch Armut aus ihrer Heimat vertrieben werden. Sie flüchten, um woanders durch Arbeit ihr Leben zu sichern. Ein solcher Zaun umfriedet in Ceuta ein Internierungslager. An den Grenzen Nordkoreas wird das Scheitern der Mächtigen ebenso sichtbar wie in Guantanamo oder die Sperrmauer zwischen Israel und dem Westjordanland.

 

Zäune und Mauern als Symbol der Ohnmacht der Mächtigen sind Zeichen der letzten Option.

„Hohe Zäune und Soldaten sind die falsche Antwort auf die Armut und ihre Folgen.

 

In den vergangenen Wochen haben mehrere hundert Migrantinnen und Migranten in großen Gruppen die Grenzzäune überwunden, die die spanischen Exklaven Ceuta und Melilla von Marokko trennen; mehrere verunglückten dabei tödlich. Als Reaktion hat die spanische Regierung einen weiteren, sechs Meter hohen Grenzzaun errichtet und das Militär zur Überwachung eingesetzt. Die EU erhöht derzeit den Druck auf Marokko, um die Flüchtlinge abschieben zu können. Das ist derzeit meist nicht möglich, weil sie keine Papiere haben oder aus Staaten stammen, mit denen keine Rücknahmevereinbarungen bestehen.“ ( Zitat Attac )

 

Zäune und Mauern als Friedensgrenzen?

Welch ein Zynismus, ein einzigartiges Symbol des Scheiterns so zu benennen, ob in Belfast oder in Bagdad. Angeblich geht es dort um Glaubensfragen, doch wer will das noch glauben.

 

Frau K. Göring-Eckhart postuliert anlässlich des G8-Gipfels eindrucksvoll, dass die Zäune im Denken und die Mauern im Handeln beim Klimaschutz überwunden werden müssen. Die Demonstranten haben es versucht und sind gewaltsam durch schlimme Zaunwächter daran gehindert worden.

Daraus folgt für mich, liebe Frau Göring, solche Zäune und Mauern gehören verhindert! Sie dürften erst gar nicht gebaut werden. Sie sind Ausdruck paranoider Furcht und Befürchtungen der selbsternannten „Untouchables“.

 

„Wehranlagen, Mauern, Zäune sind so auch immer Monumente des Scheiterns. In Heiligendamm wird es nicht anders sein. Indem sie den Zaun hochzogen, haben die G-8-Staatenlenker schon verloren. Sie müssen sich verschanzen. Sie sind die Loser. Wie alle Mauerbauer vor ihnen.“ ( Zitat TAZ )

Inzwischen hat sich diese These bewahrheitet. Die Welt war Zaungast einer versuchten Machtdemonstration und einer inhaltslosen Selbstdarstellung der Akteure. Eine kurze Video-Konferenz via Internet hätte für die erzielten Ergebnisse vollkommen gereicht.

Selbst wenn Herr Kerner nachträglich in seiner TV-Talkshow auf dümmliche Weise den Zaun in Heiligendamm öffentlich rechtfertigt, nützt das nichts mehr, denn alle Welt hat zugesehen und alle Welt weiß, dass die vereinzelten Gewalttätigkeiten zunächst falsch und übertrieben dargestellt und später gar als provozierte Aktionen entlarvt wurden.

Hallo Herr Kerner, erklären Sie doch bitte auch mal, warum zwei amerikanische Geheimdienstler in der Nähe des Zauns gestellt wurden mit Sprengstoff in ihrem Wagen. Die Kavala behauptet, dass sei nur ein Sicherheitstest gewesen und ein Hund habe den Sprengstoff erschnüffelt. Leider war kein Hund anwesend bei dieser Aktion. Auch das ist bekannt.

 

Der Zaun von Heiligendamm ist in vielerlei Hinsicht ein Menetekel: er stellt die demokratische Staatsform in Frage, er verhindert die Gewalt nicht, sondern fordert sie heraus und er steht als Symbol für ein totalitäres Weltverhalten der G8-Beteiligten.

 

Man darf gespannt sein, wann z.B. die fünf Schwellenländer China, Indien, Brasilien, Mexiko und Südafrika, auf Linie gebracht in den erlauchten Kreis der G8 aufgenommen werden.

Eins ist sicher allen außerhalb des Zaunes von Heiligendamm klar geworden, Treibhausgase machen vor Zäunen nicht halt, genauso wenig wie die Kaninchen in Australien vor dem Rabbit-Proof-Fence.

 

Eine weitere anschauliche Bilderreise zu den schlimmen Zäunen dieser Welt gibt es unter  
Weh dem, der Zäune zieht“ - Heiligendamm ist nur die Schaumkrone einer neuen globalen Welle aus Stacheldraht. ( Süddeutsche )

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